Morastige Querfeldein-Schweizermeisterschaften in Beromünster
Nicht das Rennen der Favoriten wurden die erstmals in Beromünster ausgetragenen Querfeldein-Schweizermeisterschaften. Vor einer trotz garstigen Witterungsbedingungen beachtlichen Zuschauerkulisse kamen mit Ausnahme bei den Frauen die Favoriten nicht zum Zuge. Bei den Frauen holte zum fünften Male in Serie die einheimische Jasmin Achermann den Titel.
[Von: August Widmer - 08. Januar 2012 um 20:59 Uhr]
Favoritensieg bei den Frauen
Achermann lag zur Freude des Publikums von Beginn weg vorne und fuhr einem ungefährdeten Sieg entgegen. „Wenn man zum fünften Male gewinnt, bringt einem der Titelgewinn nicht mehr aus dem Häuschen. Wichtiger für mich ist es, dass ich auf internationalem Parkett möglichst vorne mithalten kann“, gab die neue und alte Titelhalterin zu. Jasmin Achermann hat ihren Fokus in dieser Saison auf die internationalen Rennen gelegt. Die Fünfte der letztjährigen Weltmeisterschaft bestritt in dieser Saison bereits vier Weltcup-Rennen und möchte auch an der Weltmeisterschaft wieder vorne dabei sein. Kein Thema ist die Weltmeisterschaft für die Baslerin Katrin Leumann, die zum fünften Male hinter Jasmin Achermann die Silbermedaille holte: „Ich will im Mountain-Bike zu den Olympischen Spielen. Deshalb fahre ich nun keine Quers mehr, sondern gehe nach Südafrika ins Trainingslager.“ Bei den Frauen wurde die Jurassierin Lise-Marie Henzelin Dritte. Sie möchte auch international vermehrt Fuss fassen und lässt sich deshalb vom Trainer des Franzosen Francis Mourey beraten. Der Sieger von Dagmersellen und Frenkendorf wurde übrigens erstmals seit vielen Jahren an einer französischen Meisterschaft geschlagen und landete auf dem Dritten Rang.
Elite-Titel für Taramarcaz
Zurück aber wieder zu den Schweizermeisterschaften. Die Frauen waren die einzige Kategorie, wo die Favoritinnen zum Zuge kamen. Sonst ging es – sieht man noch vom Masters-Rennen ab, wo Favorit Beat Morf vor dem einheimischen Adrian Muri und Joel Niederberger gewann – in allen Rennen drunter und drüber. So im bis in die letzte Runde spannenden Rennen der Elite-Fahrer. Bereits nach dem ersten Renndrittel vermochten Titelverteidiger Christian Heule, der wieder zu den Querfahrern zurückgekehrte Simon Zahner und der Westschweizer Julien Taramarcaz, 2011 in Hittnau Dritter, der Konkurrenz davon zu fahren. Bis in die letzte von zehn Runden blieb dieses Trio zusammen. „Als ich merkte, dass es zu keiner frühen Vorentscheidung kommen würde, verhielt ich mich ein bisschen passiv. Ich wollte nicht die ganze Last des Rennens tragen und nahm etwas Gas weg“, begründete Heule, wieso er plötzlich nicht mehr vorne, sondern an dritter Stelle in der Spitzengruppe fuhr. Der für den VC Gippingen fahrende St. Galler hätte in Beromünster nur allzu gerne den siebten Titel geholt: „Ich überlegte lange, ob ich in der zweitletzten oder letzten Runde angreifen sollte. In der letzten Runde schien es mir klüger und ich kam auch einige Meter weg.“ In der heiklen Abfahrt, wo auf dem regennassen und tiefen Terrain gute Steuerkünste gefragt waren, verlor Heule jedoch bei einem Sturz seinen Vorsprung: „Neun Mal gelang mir diese Abfahrt problemlos. Das zehnte Mal klappte es plötzlich nicht mehr. Ich verpasste die Ideallinie und lag plötzlich 15 Meter vor meinem Velo. Bis ich wieder aufgestanden und zum Fahrrad gerappelt war, hatten mich Taramarcaz und Zahner schon überholt.“ Heule sah in der Folge rasch ein, dass er auf der verbleibenden halben Runde nicht mehr in den Kampf um den Titel eingreifen konnte und gab sich mit dem dritten Rang zufrieden.
Julien Taramarcaz, 2005 bei den Junioren und 2009 bei den U-23 bereits Schweizermeister, vermochte bis ins Ziel auch noch Simon Zahner auf Distanz zu halten und holte sich erstmals den Elite-Titel. Taramarcaz hatte im Dezember eine Serie von vier Rennen in Belgien bestritten: „Ich merkte, dass es mir von Rennen zu Rennen besser lief. Das stimmte mich für die Schweizermeisterschaft zuversichtlich.“ Heule und Zahner mussten zugeben, dass ihnen der Walliser an einer Schlüsselstelle technisch überlegen war. „Nach der Wechselzone gab es ein kniffliges Wiesenbord. Dort nahm uns Taramarcaz immer einige Meter ab. Als ich in der letzten Runde noch stürzte und dadurch Heule behinderte, war es für mich Ehrensache, das Loch zuzufahren. Dann war ich allerdings tot. Den zweiten Platz erbte ich eigentlich nur wegen dem Sturz von Christian Heule“, anerkannte Simon Zahner den Sieg von Taramarcaz.
Mit einem Rückstand von bereits mehr als 40 Sekunden fuhren die Biker Lukas Flückiger und Florian Vogel, beide bereits Titelhalter im Querfeldein, auf die Plätze vier und fünf. Der überraschende Andreas Moser vermochte im Kampf um den sechsten Platz den Vorjahreszweiten Pirmin Lang hinter sich zu lassen.
Zu den Geschlagenen gehörten nicht nur Heule und Zahner, sondern auch Marcel Wildhaber und Arnaud Grand, der letztjährige U-23-Meister. Beide fanden sich im Morastrennen von Beromünster nicht zurecht. Wildhaber, der zu Saisonbeginn in Steinmaur und Hittnau gewonnen hatte und an den Weltcuprennen regelmässig als bester Schweizer ins Ziel kam, musste mit dem achten Rang zufrieden sein. Grand sah sich schon früh in den hinteren Region und gab das Rennen enttäuscht auf.
Wieder ein Titel für Familie Lienhard
Faustdicke Ueberraschungen setzte es beim Nachwuchs ab. In der Kategorie „U-23“ zeigte Fabian Lienhard vom VC Steinmaur ein beherztes Rennen. Von einer Viererspitze, die sich bereits in der ersten Runde gebildet hatte, lag er bald alleine in Führung: „Als mir Lars Forster zurief, ich solle nicht so schnell fahren, sah ich meine Chance gekommen.“ Lienhard drehte schon früh auf und schien den Sieg lange auf sicher zu haben. Lars Forster und Dario Stäuble lagen als nächste Verfolger rasch 25 Sekunden zurück. In den Schlussrunden vermochte Lars Forster allerdings nochmals zuzusetzen und kam Lienhard Sekunde um Sekunde näher. Am Schluss waren es gerade noch zwei Sekunden, die Lienhard vor dem anstürmenden Forster ins Ziel retten konnte. „Es wurde wirklich eng. Aber ich konnte nochmals alle meine Kräfte mobilisieren und einen minimen Vorsprung ins Ziel retten. Dass ich gerade an der Schweizermeisterschaft das erste Mal in dieser Saison vor Lars Forster klassiert bin, ist natürlich toll“, war Fabian Lienhard überglücklich. Vor Jahresfrist hatte es in Hittnau bei den Junioren noch Forster vor Lienhard geheissen. Fabian Lienhard setzte sozusagen eine Familien-Tradition fest: Götti Willy Lienhard war 1974 und 75 Querfeldein-Schweizermeister gewesen.
Hinter Lienhard und Forster kam der Aargauer Dario Stäuble (Gansingen), der Junioren-Meister von 2009, auf den dritten Rang. Wegen eines Sturzes in der zweiten Runde hatte Stäuble Lienhard und Forster ziehen lassen müssen. Mit einem gewaltigen Effort kämpfte er sich jedoch wieder auf den dritten Rang zurück.
Gleich zwei Titel für Familie GrabDie Familie Grab aus Maur machte es anders als die Lienhards: Sie liess zwischen zwei Titelgewinnen nicht Jahrzehnte verstreichen, sondern holte sich gleich zwei Meistertrikot an einem Sonntag. Dominic Grab schwang mit einem Vorsprung von zehn Sekunden bei den Junioren obenaus. Eher unerwartet liess er dabei Andri Frischknecht und Dominic Zumstein hinter sich. Grab hatte in dieser Saison noch kein Rennen gewonnen. Seine gute Form hatte er allerdings in Bussnang mit dem zweiten Rang angedeutet. Nachdem er in Dagmersellen und in Bussnang gewonnen hatte, war Frischknecht als Favorit ins Rennen gegangen. Eine Rolle, die offenbar weder ihm noch dem Vorjahresdritten Dominic Zumstein behagte. Als Aussenseiter konnte Dominic Grab dies ausnützen.
Das Erfolgsrezept seines älteren Bruders übernahm bei den Anfängern sein jüngerer Bruder Joel. Er schwang vor Johan Jacobs (Steinmaur) und Patrick Müller (Wetzikon) obenaus. Für Joel Grab war es allerdings nicht der erste Sieg. Er hatte bereits die Rennen von Illnau, Uster, Steinmaur und Dagmersellen für sich entschieden. Da sein gefährlichster Gegner Johan Jacobs ebenfalls vier Saisonsiege auf dem Konto hatte, war er für den Sieg ebenso stark favorisiert gewesen wie Joel Grab.
Die diesjährige Querfeldein-Schweizermeisterschaft von Beromünster bot trotz schlechter Witterung spannende Rennen. Die Rennen nahmen teilweise einen unerwarteten Ausgang, was wieder einmal zeigte, wie unberechenbar Meisterschaften sind. Der Anlass in Beromünster war gut organisiert und einer Meisterschaft würdig. Die nächste Querfeldein-Schweizermeisterschaft wird am Sonntag, 13. Januar 2013 in Steinmaur, der Querfeldein-Hochburg des Zürcher Unterlandes, stattfinden