Querfeldein-Schweizermeisterschaft in Hittnau

Drei erfolgreiche Titelverteidiger Arnaud Grand, Lars Forster, Jasmin Achermann und Heule mit sechstem Titel

[Von: August Widmer - 09. Januar 2011 um 00:00 Uhr]
Die in Hittnau ausgetragene Schweizermeisterschaft der Querfeldeinfahrer wurde zu einem fast erfolgreichen Rennen der Titelverteidiger. Fast deshalb, weil im Hauptrennen der für den VC Gippingen fahrende Christian Heule (Tuggen) Vorjahressieger Lukas Flückiger vom Throne stürzte und damit den sechsten Titel holte.
Mit René Wittweiler (Eschenbach) gab es auch bei den Masters ein neues Siegergesicht. Allerdings wurde dieser Meistertitel erstmals vergeben. Mit Arnaud Grand (Rennaz/bei der Kategorie U-23), Lars Forster (Eschenbach/bei den Junioren) und Jasmin Achermann (Rain/bei den Frauen) gab es jedoch drei erfolgreiche Titelverteidigerinnen und –Verteidiger.
 
Das Elite-Rennen verlief spannend wie seit Jahren nicht mehr. Obwohl wegen des tiefen Terrains und dem beschwerlichen Aufstieg zum „Schlosshügel“, dem Haupthindernis des Hittnauer-Meisterschaftsparcours, das Rennen sehr kräfteraubend war, vermochteLang nach Sturz von Heule 2 Runden vor Schluss nochmals in Führung sich niemand entscheidend abzusetzen. Christian Heule sprengte zwar bereits in der Anfangsphase eine Fünferspitze. Man merkte, dass der vor Jahresfrist geschlagene Serienmeister den Titel unbedingt wieder in seinen Besitz bringen wollte. Die Tatsache, dass er mit EKZ seit diesem Jahr einen neuen, einen einheimischen Sponsor hat, schien den Routinier nochmals zu beflügeln. Aber die Gegner machten es Heule nicht einfach. Pirmin Lang wuchs förmlich über sich hinaus und war Heule bis anderthalb Runden vor Schluss ein ebenbürtiger Gegner. Nicht nur die Zuschauer, sondern auch Lang war davon selber überrascht: „Ich hatte mich nicht als Favorit gesehen und eigentlich andere Fahrer vorne erwartet. Allerdings merkte ich in den letzten Rennen, dass ich Druck auf der Pedale hatte. So lief es mir auch am Meisterschaftsrennen bestens. Dass ich zu Silber gekommen bin, freut mich ungemein.“

Lang zum vierten Mal Zweiter

Lange sah es sogar danach aus, als ob für Lang gar noch mehr drinliegen würde. Nachdem das Duo Lang/Heule über mehrere Runden vorne gelegen hatte, ohne dass zu den Verfolgern, jedoch ein entscheidender Abstand hätte herausgefahren werden konnte, schlossen zwei Runden vor Schluss der einmal mehr an einem Meisterschaftsrennen mit einer Top-Leistung aufwartende Julien Taramarcaz und Titelverteidiger Lukas Flückiger zur Spitze auf. Dieser Zusammenschluss war für Christian Heule der Zeitpunkt des Angriffes: „Ich nutzte den Zusammenschluss zum Angriff aus. Mit dieser Temposteigerung konnte ich die entscheidenden Meter zwischen mir und den Verfolgern schaffen. Einmal vorne, gab ich den Vorsprung nicht mehr preis. Ich wollte unbedingt solo ankommen. Ein Sprint ist immer eine Lotterie.“
Pirmin Lang ärgerte sich darüber, dass er für einen Moment das Hinterrad von Heule verlassen hatte und so den Angriff des Favoriten verpasste: „Flückiger schob sich zwischen mich und Heule. Routinier Heule nützte dies umgehend zum Angriff aus.“ Während Flückiger nicht kontern konnte, ging Lang auf die Verfolgung. Heule liess sich allerdings nicht mehr in die Defensive drängen und holte mit einem Vorsprung von 16 Sekunden vor Pirmin Lang und dem am Schluss noch aufdrehenden Taramarcaz den Sieg. Einen Sieg, für den der nun sechsfache Schweizermeister nach eigenen Angaben hart kämpfen musste: „Einen ersten Angriff hatte ich ungefähr bei Rennhälfte gestartet. Als ich am Schlosshügel einige Sekunden Vorsprung hatte, stürzte ich in der Abfahrt und musste Lang wieder aufschliessen lassen. Darauf fuhr ich einige Runden defensiv. Kurz vor dem Zusammenschluss ungefähr anderthalb Runden vor Schluss blies ich dann zum erfolgreichen Finale.“
 SM2010 Kat. A: Pirmin Lang (2. links), Christian Heule (Mitte), Julien Taramarcaz (3. rechts)
Während der Sieg von Hittnau für Christian Heule wie erwähnt der sechste Titelgewinn bedeutete, fügten auch Lang und Taramarcaz ihren Medaillen-Sammlungen weitere Exemplare zu. Nach 2002 (Junioren), 2004 und 2006 (U-23) wurde Primin Lang nun bereits zum viertenmale an einer Quer-Schweizermeisterschaft Zweiter. Julien Taramarcaz landete nach 2004 (2. Junioren), 2007 (3. U-23) und 2008 (3. U23) ebenfalls bereits zum vierten Male an einer Meisterschaft auf dem Ehrenplatz. Dazu kommen noch die beiden Titelgewinne (2005 bei den Junioren und 2009 bei den U-23). Diese Bilanz zeigt eindrücklich, dass der Walliser der Mann der Querschweizermeisterschaften ist. Er trat an der Meisterschaft neu im Trikot „BMC“ an. Allerdings verstärkt er nicht das Strassenteam, sondern die neu ins Leben gerufene und von Alexander Moos geleitete BMC-Bike-und Quer-Mannschaft.

Erfolgreiche Titelverteidiger und zwei grosse Pechvögel

Im Hauptrennen waren Titelverteidiger Lukas Flückiger und der zweifache Saisonsieger Marcel Wildhaber ganz klar die grossen Geschlagenen. Sie mussten sich mit den ersten Plätzen neben dem Podest, also den Rängen vier und fünf zufrieden geben.

Podest U23: Valentin Scherz (2. links), Arnaud Grand (Mitte SM), Michael Winterberg (3. rechts)Erfolgreich machten es in den Kategorien U-23, Junioren und Frauen die Titelverteidiger. Im Rennen der U-23 war Arnaud Grand, der seit dieser Saison im belgischen Cross-Team „Telenet-Fidea“ fährt, der grosse Dominator. Er lag von Beginn weg vorne und holte mit dem grössten Vorsprung des diesjährigen Meisterschaftsrennens von fast zwei Minuten, vor dem zweiten Westschweizer Valentin Scherz den Sieg. Auf den dritten Rang fuhr eher unerwartet der Luzerner Michael Arnud Grand - Sieger U23Winterberg. Die auf den nächsten Rängen klassierten Lukas Müller und Dario Stäuble fuhren zwar beide eine bravouröses Rennen. In den Kampf um die Medaillen konnten sie allerdings nie eingreifen.







Das Rennen der Junioren war lange Zeit ein Zweikampf zwischenLars Forster freut sich über den erneuten Titelgewinn in der Kat. Junioren Lars Forster und Fabian Lienhard. Am Schluss konnte sich dann allerdings Titelverteidiger Forster mit einem Vorsprung von mehr als einer halben Minute doch klar durchsetzen. „Ich bin mit dem zweiten Rang zufrieden. Lars war heute ganz klar der Stärkere von uns beiden“, zeigte sich Lienhard mit dem Ausgang des Rennens zufrieden. Immerhin vermochte er sich im Vergleich mit der letztjährigen Meisterschaft, wo er den dritten Rang belegt hatte, um einen Platz zu verbessern. 

Podest Kat. B Fabian Lienhard (links), Lars Forster (Mitte), Dominic Zumstein
                                 

Jasmin Achermann - Siegerin Kat. FrauenDas Rennen der Frauen sah mit Jasmin Achermann auch die Titelverteidigerin auf dem ersten Platz. Bemerkenswert ist, dass Achermann zum vierten Male den Titel holte.

Und zum vierten Male in der Folge landete Karin Leumann auf dem Ehrenplatz. Die Baslerin, die im Jahre 2007 die letzte „Nicht-Achermann-Meisterin war“, nahm diese Niederlage gelassen: „Ich bin eine Bikerin, die zum Ausgleich Quer fährt.

Für Jasmin hingegen stehen die Quer-Rennen im Vordergrund und ihre Weltcup-Resultate zeigen, dass sie grosse Fortschritte gemacht hat. Deshalb bin ich mit meinem zweiten Rang zufrieden.“
 Podest Kat. Frauen: Katrin Leumann (2. links), Jasmin Achermann (SM 2011), Fabienne Niederberger (3. rechts)


Da bei den Juniorinnen nur zwei Fahrerinnen am Start waren, wurde kein Meistertitel vergeben. Deborah Inauen (Appenzell) konnte sich vor Jolanda Neff (Altenrhein) gleichwohl als Siegerin feiern lassen.

Raphael Koch - Sieger Kat. Anfänger - Kat. CDas Rennen der Anfänger wurde eine Beute von Raphael Koch (Leimbach), der vor Dominic Grab und Roger Aeberli (beide VC Maur) obenaus schwang.




Post Kat. Anfänger (Dominic Graf, links), Rafphael Koch (SM,Mitte), 3. Roger Äberli





Und im Rennen der Schüler kam Joel Grab (Maur) vor Johan Jacobs (Steinmaur) und Luca Langenegger (Appenzell) zum Erfolg.
 Gewinner des Schülerwettbewerbs 2010/2011 1. Johan Jacobs


Die erstmals ausgetragene Meisterschaft der Masters wurde von René Wittweiler (Eschenbach) vor Remo Thür (Altenrhein) und Martin Bichsel (Oensingen) gewonnen. Podest Kat. Masters Remo Thür (2. links), René Wittweiler (SM, Mitte), Martin Bichsel (3. rechts)In dieser Prüfung, praralell mit dem Rennen der Elite ausgetragen, spielte sich das grösste Drama des Meisterschaftsrennens ab. Der von Beginn weg klar führende Lokalmatador Beat Morf musste nicht nur in der ersten Runde auf dem glitschigen Rundkurs zu Boden, sondern riss sich bei Rennhälfte, weiterhin in Führung liegend, auch noch den Wechsel am Rennrad ab. Obwohl mit gut einer halben Minute im Vorsprung war damit das Rennen für Morf aus und vorbei.
Das gleiche Malheur passierte im Rennen der U-23 Matthias Rupp, dem Zweiten von 2009 und 2010. Rupp kam deshalb mit einem Rückstand von mehr als einer Minute als Letzter aus der Startrunde. Er fuhr trotz des Missgeschickes zu, überholte Gegner um Gegner und landete am Schluss auf dem achten Rang.

Der Quersport lebt

Eine gute Stimmung, ein beachtlicher Zuschaueraufmarsch und eine Gesamt-Teilnehmerzahl von total 130 Fahrerinnen und Fahrern zeigten einmal mehr, dass der von vielen totgesagte Quer-Sport nach wie vor lebt. Alleine die Tatsache, dass 31 Schüler und 17 Anfänger in Hittnau an den Start gingen zeigt, dass der Quersport auch hierzulande eine Zukunft hat. Der VC Hittnau mit Romeo Tedaldi an der Spitze des OK’s sorgte nach einem Unterbruch von zehn Jahren – bereits 2001 war Hittnau Schauplatz der Quer-Schweizermeisterschaft gewesen – erneut für ein tadelloses Meisterschaftsfest. Da die Hittnauer ebenfalls an den Quersport glauben, wurde bekannt, dass das Meisterschaftsrennen 2011 alles andere als das letzte Quer von Hittnau gewesen war. Vielmehr wird es im November 2011 die 25. Auflage des Querfeldeins von Hittnau geben.

Attraktive Hittnauer Querstrecke sorgte für begeistertes Publikum