Publikumserfolg an der Quer-WM:Holländer und Belgier vorne, Schweizer mit respektablen Leistungen
Kreiselschmuck zur Radquer-WM in Koksijde, Belgien - Bild: Nelli Widmer
Radrennen mit 60'000 und mehr Zuschauern ist man
sich in der Schweiz fast nicht mehr gewohnt. Die Querfeldein-Weltmeisterschaft
von Koksijde in Belgien konnten mit solchen Zuschauerzahlen aufwarten. Das
Erfreuliche vorneweg: Während es bei andern Sportarten bei derartigen
Zuschaueraufmärschen meistens zu Ausschreitungen kommt, verliefen die
Querfeldein-Weltmeisterschaft höchst friedlich.
[Von: August Widmer - 04. Februar 2012 um 04:37 Uhr]
Die Polizei stand zwar auch in Koksijde an der Nordsee im Einsatz. Aber in erster Linie um den Verkehr zu regulieren. Sonst verhielten sich die Querfans friedlich. Und wenn es dann doch einmal eine „Alkoholleiche“ zu verarzten gab, lag dies natürlich auch daran, dass die Belgier zusammen mit den Holländern die diesjährige Querfeldein-Weltmeisterschaft dominierten. Für den Grossteil der Querfans gab es also etwas zu feiern.
Los ging es in Koksijde am Samstagmorgen mit dem Rennen der Junioren. Bereits beim Nachwuchs waren die Zuschauerspaliere dicht. Es dürften gut und gerne 30'000 Zuschauer gewesen sein, die bereits am Samstag an die 2,9 km lange Strecke in den Sanddünen von Koksijde pilgerten. Das Rennen verlief bis auf den letzten Metern spannend. Am Schluss vermochte sich der Holländer Mahtieu Van der Poel, der Sohn von Ex-Querweltmeister Adrie Van der Poel und Enkel von Radsport-Legende Raymond Poulidor, mit einem Vorsprung von 200 Metern vor dem Belgier Wout Van Aert durchzusetzen. Dank einem Gewalts-Effort auf den letzten Metern holte sich der Franzose Quetin Jauregui die Bronze-Medaille. Es sollte die einzige Medaille eines Nicht-Belgiers oder Nicht-Holländers an dieser Weltmeisterschaft sein.
Die Schweizer Junioren hielten sich respektabel. Dominic Zumsten fuhr als Bester des Schweizer Trios auf den zwölften Rang. Andri Frischknecht wurde 20 und Schweizermeister Dominic Grab landete auf dem 30. Rang.
Im Rennen der U-23 vom Samstag-Nachmittag gelang dem Romand Arnaud Grand ein guter Start. In der Anfangsphase lag er ganz vorne. Dann musste er dem schnellen Rennen Tribut zollen und fiel einige Ränge zurück. Mit dem 8. Rang konnte sich Arnaud Grand in den Top-Ten etablieren. Lars Forster fuhr ein regelmässiges Rennen und kam als 24. ins Ziel. U-23-Schweizermeister Fabian Lienhard wurde im ersten Renndrittel durch einen Defekt gestoppt. „Dieser Defekt warf mich zurück und ich kam nicht mehr auf Touren. Mit dem 32. Rang war ich letztendlich gut bedient“, zeigte sich Lienhard angesichts seines Missgeschickes zufrieden. Direkt hinter Lienhard fuhr Michael Wildhaber als vierter Schweizer auf den 33. Rang.
Die Medaillen machten die Belgier und Holländer unter sich aus. In einem grandiosen Finale, indem sich das Spitzentrio nichts schenkte, setzte sich der Holländer Lars Van der Haar durch und wiederholte seinen Sieg vom Vorjahr in St. Wendel. Van der Haar verwies den Belgier Wietse Bosmans und seinen Landsmann Michiel Van der Heijden auf die Ehrenplätze. Damit war das U-23-Podest fest in belgisch-holländischen Händen.
Zuschauer und Belgier top
Mit den holländisch-belgischen Festspielen ging es am Sonntagmorgen bei den Frauen weiter. Die Holländerin Marianne Vos vermochte sich rasch von ihren Konkurrentinnen abzusetzen und holte sich zum fünften Male den Weltmeistertitel. Hinter ihr kam ihre Landsfrau Daphny Van den Brand auf den zweiten Rang. Die Belgierin Sanne Cant kam als Dritte ins Ziel und sorgte damit für den ersten belgischen Medaillen-Gewinn in der Frauenkategorie an einer Quer-WM. Ein starkes Rennen zeigte Schweizermeisterin Jasmin Achermann. Sie kam als neunte ins Ziel und unterstrich damit, dass sie zur absoluten Weltspitze gehört. Sabrina Maurer landete auf dem 28. Rang, Lise-Marie Henzelin, die Dritte der Schweizermeisterin, wurde im 34. Rang klassiert.
Im Rennen der Elite, das ganz klar der Höhepunkt der diesjährigen Querfeldein-Weltmeisterschaft war, waren die Belgier unschlagbar. Sie stellten sieben Starter und belegten am Schluss auch die sieben ersten Plätze. Der Sieg ging an Niels Albert, der bereits 2009 Weltmeister gewesen war. Der belgische König Albert gratulierte dem Querkönig „Albert dem Sandigen“ an Ort und Stelle zum überzeugenden Sieg. Albert gewann mit einem Vorsprung von 24 Sekunden vor Rob Peters und 30 Sekunden vor Kevin Pauwels, dem Gewinner des Weltcups dieser Saison. Sven Nys, der als Top-Favorit ins Rennen gegangen war, wurde Siebter.
Die Schweizer hielten sich im „Rennen der Nichtbelgier“ ausgezeichnet. Simon Zahner kam als Zehnter ins Ziel und war damit drittbester Nicht-Belgier. Zahner liess damit den Franzosen Francis Mourey und Titelverteidiger Zdenek Stybar hinter sich. Schweizermeister Julien Taramarcaz landete auf dem 16. Rang. Der für den VC Gippingen fahrende Christian Heule fiel nach einem guten Beginn zurück und musste mit dem für ihn eher enttäuschenden 25. Rang zufrieden sein. Marcel Wildhaber, der Sieger von Steinmaur, hatte bereits in der Anfangsphase Defekt und landete auf dem 27. Platz.
Mit drei Klassierungen unter den ersten zehn unterstrichen die Querfahrer aus der Schweiz, dass sie auch im internationalen Vergleich nicht verstrecken müssen. Vielleicht lacht ja den Nichtbelgiern eines Tages auf einer ihnen besser entsprechenden Strecke wieder einmal das Glück. Das könnte vielleicht bereits an der nächsten Quer-WM sein. In der über 60jährigen Geschichte der Quer-WM – die erste Weltmeisterschaft wurde 1950 in Paris ausgetragen – findet die nächste Weltmeisterschaft der Crossler erstmals ausserhalb von Europa statt. Diese finden nämlich am 2. und 3. Februar 2013 in den USA, in Louisville im Staate Kentucky statt. Auch ohne Tausende eigener Fans dürfte es allerdings auch dort sehr schwer sein, an den Holländern und Belgiern vorbei aufs Podest zu kommen.